klippklappnachten mit ahi und gelächter, geklippklappt hat alles:
man hat sich gefreut ('jubel'), man hat auch den tannenschmuck
aufgefädelt gehabt in furioses geglitzer ('ewigkeitsleuchten in
sachen geburt'). klappschere, klappbild: wer sitzt da frank und frei bei tische,
wes knittert nur die stoffserviette ('klappnachtsweiß'), wem fiel das
heiße bügeleisen nicht in den schoß (den 'fruchtbar-war-er'), wer hat dem
herrn, dem vatter, die klippklappklein geschnittenen tigerhaare ins essen
gerührt? klippklapp ist der herr, der vatter, tot wie tiger in die wiege gefallen
('die krippe'), wo der esel ihm die letzten haar' vom kopf abizupft hat, sagt der
friseur mit erschrecktem kennerblick ('ein heil'ges schauern'). geklippklappt
hat alles. rundum ahi und gelächter: unter heiligem lampenschirm liegt der herr,
der vatter, unterm weißen heilandstuch. die frau strickt ein letztes
engelshaarlockerl, die nadeln sind rot wie die apfelbackerl im grünen tann:
kein vatter, kein mutter, kein kintt. mit ahi und gelächter klapp ich
das letzte fensterl zu. jetzt heißt's dichthalten ('der heilige schwur').
ahg - 26. Dez, 17:35
"schräger advent" - der schönberg-event & jesus (anlasshalber dieser ausruf), das reimt sich ja! - womit ich beim, nein im thema bin. so schnell kann's geh'n.
eine keramikerin & produkte, ein metallkünstler & produkte, diverse kettenmacherinnen & produkte, gefilztes und gestricktes in allen farben und formen. wein, essig, honig, edle pesti (ein pesto - viele pesti, hat nichts mit: eine pest - viele pestilenzien zu tun, schließlich haben wir advent, aber das nur am fremdwortrand). gold gefärbte rehkrickerl und filigrane kunstengel, bilderrahmen, großflächig illustrierte kinderbücher und artigbags, das sind taschen mit kunstsinn. pappmaché-engel, durch deren kauf pater sporschills projekte unterstützt werden. unendlich viele leute mit adventös geröteten wangen. ein schieben und drängen und da, in einem eck, das wohl dank seiner besetzung zum toten solchen ward, ein stand mit büchelchen: lyrik und kurzprosa in glanzlosen braun-, beige-, grautönen (nicht kunstvoll reduziertes unfarbenspiel ohne hochglanzgeglänze, sondern schlicht ohne alles).
hier ist's leicht anzuhalten (keiner schiebt, keiner drängt: ein freier platz), also angehalten und ein paar namen gelesen. mit dem zeigefinger über einen von ihnen gefahren, ich kenne ihn. massive kaufunlust, plötzlich überhaupt keine lust mehr in mir, es hat nicht viel gefehlt und mich hätte sogar die lust verlassen, den finger samt arm wieder einzufahren (man stelle sich vor: mein arm plus zeigefinger in aktion, zurück gelassen an diesem verlagsstand!). wie deprimierend das ganze. wie abgenudelt (von haus aus oder waren die büchelchen antiquarisch?), wie unbunt, wie winterdepression. als ob eine glasglocke über den stand gestülpt worden wäre, womöglich war es sogar totenstill. eh klar: hier gibt's kein adventmarkt-wangenrot. der mann hinter dem büchertisch trägt statt dessen einen grauen vollbart und vor sich einen kugelbauch wie ein weihnachtsmann, dem böswillig berauschte adventmarktbesucher das kostüm vom leib gestohlen haben. er schaut auf die seite, ich auch. man geniert sich, weil man sich nichts zu sagen hat. vielleicht war das so.
ahg - 14. Dez, 13:39
lautes rauschen wie früher, wenn der sendeabend vorüber war und weit
und breit kein mensch, kein schlaf, nur diese leere zum bildschirmquadrat.
oder wie eine suppe ist's, eine lauwarme bouillon
mit eiswürfeln, ein 'bling' und noch eines, wenn die gabel ans eis stößt
(beim nächsten lesen wird sich der ganze spuk aufgelöst haben)
gleich neben der gabel liegt ein:
'was du dir eingebrockt hast, musst du auch auslöffeln!'
und im herrgottswinkel steht, in einen bilderbogen gestickt:
'meine suppe ess ich nicht, nein, meine suppe ess ich nicht.'
wenigstens spielen, aber nein (sagt der schöpflöffel):
mit essen spielt man nicht, da geht es nämlich immer ums ganze,
da geht es um: zwei fettaugen. bitte reinstechen,
dann sind's vier oder sechs, da geht schon was.
ich klebe sie mir ans kinn (menschenfresser) oder auf die schulterblätter (rückspiegelengel), den braucht man, wenn's finster ist und die gefahr von hinten kommt.
es rauscht zur mitternacht - als wir da haben eine lange nacht mit nichts außer dem testbild
ahg - 13. Dez, 06:10
kegel, aufgestellt im kreis: erschüttert (so viel reden!) fallen sie nach innen,
wickeln sich die worte, lange seidenfäden hängend aus dem stummen kegelmund,
um den, der innen steht (praktisch wie erwürgt im schlaf).
jede menge nabelschnüre - da hängt es sich, da hangt es sich,
da prangt erstarrtes mordsgezeter wie eine blutrosette aus dem maul von dem,
der innen steht. stand, jetzt hängt er im geschnüre.
von fern erinnert's mich an früher, als aus tausend fäden der richtige zu ziehen
war: der hauptgewinn: ein teddy, ansonsten plastikrosen und herzen aus papier.
ahg - 9. Dez, 08:22
als ob in einem brunnenschacht die kugel aufschlägt,
hochspringt und zurück, schau ich und schau und hör und hör.
ein taumeln ist das die ganze nacht und über die jahre,
zum schwindlig-werden ist das, ein durcheinander
und doch: anders ist nichts.
geändert hat sich bei uns (bei dir und bei dir und bei dir)
nur die entfernung zwischen der haut und der hand: wir sind uns näher.
eine jede sich selbst und wir uns noch immer, sonst nichts und das ist ein glück.
ahg - 17. Nov, 04:54
könnt sein, dass mir das kreuz aus meinem rücken fällt,
dabei die wirbel einen wirbel machen,
wo sich ein trommelfell hätt aufgespannt am boden hinter mir.
könnt sein, ein knöchern klackern am belag,
es ist der küchen - kachel - boden, weil ich
immer wenn die wirbel jucken, fest in den verbund gespannt,
in meiner kreuzstichblauen küche steh und koch
und steh und kratz, mag sein zu tief gekratzt
und schon ist einer hin und weg: pardauz!
ein einzel-trommel-stück, es folgen derer wirbel mehr,
ein höllenlärm und dann ist ruh. könnt sein,
da käme wer und setzt mein kreuz mir wieder ein,
ein freundlich murmelnder monteur, derweilen ich
mein süppchen fertig kocht in meiner kreuzstichblauen küch.
ahg - 8. Nov, 19:55
da fiel mir ein, wie das ist, mit den gespreizten fingern über ein beschlagenes fenster zu fahren. glasabwärts und wieder hinauf.
schleifen zeichnen, buchstaben schreiben.
mein name. nass. kühl.
das quietschen um die fingerspitzen.
als kind war das fenster ein autofenster und das war dann immer ganz deppert zu putzen.
traurig am erinnern ist nicht der abgewohnte körper. traurig am erinnern ist die entfernung und die nimmer-wieder-kehr.
ahg - 12. Okt, 10:38
... kein & kein beitrag hier. genau. irgendwie ist mir irgendwo die lasch (lust auf schreiben) abhanden gekommen. zwischen den fingern durchgerutscht, bei der letzten blutabnahme mit dem letzten blutstropfen mitgeflohen aus diesem prosaischen und noch nicht mal das: nur-körper.
immer wieder überlege ich, hier zuzusperren. der ordnung halber (ordnung ist das halbe leben). wobei so leere notiz-zettel ja auch als was finales gesehen werden können. tabula und rasant-gen-null oder sowas. den körper rasant gegen einen gartenzaun-pfeiler zum beispiel. und schon hält österreich die luft an: humpf. und dann der große nachruf-dünnschiss.
genau.
so ist das nämlich.
mal sehen, was kommt. hier.
ahg - 11. Okt, 21:15