erinnere mich und erinnere mich später

drogeriegeruch im laden von onkel egon der war der chef der chef
im weißen kittel wie ging das eigentlich damals im osten: das ist wie vor fünfzig jahren
die kernseife und kein geschenkspapier da willst du gleich gar nichts kaufen und die luft
die kohle hab' ich später gelesen gesehen hab' ich sie am gehsteig
bürgersteig trottoir und die straßen sind viel breiter als in wien
und der großvater mit dem netz in der hosentasche immer
musst du immer dabei haben weil du nie weißt ich
weiß es aber noch vom letzten jahr und opa holt
selters weil mineralwasser kennt hier keiner aber clubcola
und oma macht kompott aus erdbeeren tiefgekühlt
das soll ein wunder sein wegen der westrente weil die grenze
zwischen hier und da und plötzlich war die mauer: aus
labbrigen erdbeeren im dezember: ein ddr-wunder und eine seife aus onkel
egons laden zu weihnachten für die mama die hier mutti heißt und opa
reckt den arm in die höhe: so hoch lag der dreck und die ddr weißt du die ddr
der dusslige rest jedes mal lächeln und ich
erinnere mich und erinnere mich später die angst ohne pass
bin ich tot wenn ich nicht wienerisch red - weanerisch sagen
die onkel wenn sie wienerisch reden auf deutsch und poltere ich hinein
mit breit- und quervokalen die mir in den ohren stecken
bleiben bin ich fremd nicht nur west
Nante - 13. Mrz, 09:10

Das Fremde

ist die Heimat ... immer und überall.
Und unsere Fähigkeit zu artikulieren bleibt uns da manchmal im Halse stecken und es quetschen sich die Vokale verzerrt und die Konsonanten grellstraßenverseucht ....
in die Bilder der Vergangenheit , die wiènerisch gefärbt auftauchen ...


eine berührende Art der Vergangenheits ( und Gegenwarts) bewältigung .......

ahg - 13. Mrz, 11:19

...

... danke!
gruß
a.

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entwürfe Nr.52, Dez.07 *eines Fackelträgers Ende

perspektive, hefte für zeitgenössische literatur, Nr. 54/55 (März 07) * billieboy

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