ich sah gestern ein birnbaumbluten, drei seiten weiter fand es statt
allein ich: eine hinabstreichende gebärde in rot. lassen wir es gut sein
und in rot: ich will und blut und sehen. blutrotes birnbaumblutrot
über das hausruckviertel gegossen, vertragen vom frühlingswind
lau soll er sein - sagen wir 'farblos', sagen wir 'durchsichtig' -
und keiner hat's geseh'n, keiner hat's geseh'n, warum die birnbäume in den
wind gebrochen sind
so ein lindes lüfterl, sagte die frau tant' und schüttelte ihre viel zu langen haare
dass dem birnbaum drei seiten weiter angst und bange ward
leck mich, sagte der onkel und kriegte eine rote birne
wir sagen das so dahin - ich sage das so dahin. ich. ich sage es auf dieser seite und drei seiten weiter blühen die birnbäume. unschuldig.
unschuldig blühen die birnbäume drei seiten weiter im hausruck
in weiß, wie es sich gehört.
ahg - 4. Mai, 08:54
im spiegelnden boden gefangen: eine wespe
kann auch ein zebrastreifen sein, so nutzlos ist die tierhaut aus plastik
wenn keiner dran glaubt, bist du tot. deshalb hat das kind gelacht
ein stich war das, ein wespenstich ins menschenherz
eh klar. ich schreibe dir ein mail im dschungelcafe, die kinder
lachen, das plastikkrokodil, das gefoppte, wackelt mit seinem
plastikschwanz zum hunderttausendsten mal, ich schreibe dir
ein mail im internetcafe im plastikdschungel, die kinder
spiegeln sich im boden, wenn ein glas fällt, klirre ich entzwei
springt natürlich auch mein herz entzwei, schreib ich dir ein plastikmail
mit streifen, als ob's ein zebra wär'. als ob's ein pflasterzebra wär' über gelben
wespenstichen: ein kind fällt vor und ist wie nie gewesen, schreib' ich dir
den plastikotod im plastikdschungel. die wespe surrt im marmorboden ihren
marmortod, ich schreibe dir, du glänzt von draußen hell herein
ahg - 1. Mai, 20:40
"Eines Tages, über den ich in Gegenwartsform nicht schreiben kann, werden die Kirschbäume aufgeblüht gewesen sein. Ich werde vermieden haben zu denken: 'explodiert' ..."
(Christa Wolf: Störfall)
ahg - 20. Apr, 20:47
du weißt: während ich wartete, fiel mir der tag ins haus,
rollte mir ins zimmer als einsperrtag - das waren fürwahr (dies nur
wegen der wahrheit, du weißt, sonst wäre ja al=les voll=kommen egal)
das waren fürwahr männer in anzügen, ein mann in cord und die farbe lichtblau hing am himmel.
draußen war es so, soll es so gewesen sein: blauer flimmer am horizont
(dies wegen der lüge), die vorhänge dicht zu=gezogen halt' ich an mich
- atemstillstand soll's gewesen sein (dies wegen der phantasie),
während die flugzeuge und der trampel im vierten stock mich lichtblau stanzten,
lag ich da wie aufgebahrt (nach einem atemstillstand zum beispiel oder kopfweh)
und übte den atemstillstand, beiläufig im warten, während der tag ins haus fiel,
doch ich sah' ihn nicht (dies wegen der vorhänge), soviel zur wahrheit
- soviel zur lüge, du weißt: ich warte und halte die luft an,
's bläuliche flimmern im kopf ist bunt, soviel zur wahrheit, so wenig zur lüge,
sagen die männer in anzügen, sagt der mann in cord. die frau im vierten stock schweigt,
ich warte, du weißt.
ahg - 14. Apr, 18:56
kannst du einen hut schneidern? einen mit sonnenlöchern drin für die langen tage,
die bis in die nacht reichen, und für die langen nächte bis in den tag?
unter deinem spiegelglas ist ein finger gebrochen, treibt er umher, treibst du? - obskur, sagt er,
sag’ ich: fisch ihn raus, näh ihn an, richt ihn ein, hol die angel, scheißkerl du.
nein, gibt es nicht, so sitzend im kahn, dem romantischen, brauchst du ihn nicht, sagt er,
denn der mond brennt eh keine löcher in den kopf. nur ins gemüt, sag’ ich. er lacht. du lachst.
näh’ mir einen kopffetzen für die langen wassernächte, sag’ ich zu ihm und du:
hier ist ein knöchelchen, ich hab's geborgen letzte nacht, als mir so romantisch war
innendrin.
fast zum sterben war mir vor lauter mond. aber leider hab' ich dir alle finger gebrochen
und dem wasser unter die haut geschoben. für später, wenn du weg sein wirst und er wird.
du spinnst, sagst du. ich spinne, sag’ ich. ich weiß, sag’ ich.
mit dem knöchelchen näh' ich mir ein segeltuch gegen den mond. du fädelst mich ein.
in der letzten nacht hat's mir das herz versengt, sag’ ich, jetzt schlägt es.
er fährt mir unter die haut. klar doch: deine finger, immer deine finger.
wenn der wind in mein mondsegel weht, wehe ich mit. das sag’ ich zu dir: gib acht!
unpassend, sagst du, weil dich das knacken stört. aber ich bin's nicht, bin's nie gewesen.
ahg - 3. Apr, 09:24
zum hals umdreh'n vor lilalauter liebeschön, zum fressen oder zum speib'n
dann soi's halt so bleib'n: wenn's hell is' im herzerl und hell is' im hirn
ist poesie ein zwiegestirn - na geh! - und licht und lichta wiad's da dem dichta und ja:
ja woll'n sie sag'n oder nein oder scheiß-drauf so ein mistkist das ist
und der vogel soll vögeln kalaueresk oder was, und das reh soll reh'n meinetwegen
hab' ich nichts dageg'n, bin ja open in mai maind cause ai'm so kaind
die sonne schaint, ich bin so froh mit mops und so - stoppedipo, mein poetenschnucki:
weil die lyruk, die lyruk ist schon ein echtes meistastucki
soll in verse aufgeh'n wie der germ (hob mir germ oder so) wie vom brioschkipferl ein zipferl
ein fizzerl zum beißen, ein fazzerl zum schmecken, ein fozzerl fürd nacht:
belesen und fain woll'n die kenner sain und g'schait - so g'schait
hamms viel zum darzähl'n de soichn lait und bissl was zum red'n die bled'n.
ahg - 31. Mrz, 19:08